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Dienstag, November 03, 2009Er war dann mal weg
Ein Gitarrenschüler von mir (etwa 35 Jahre alt) litt lange Zeit unter Angstattacken, Herzrasen und ein allgemein schlechtes Befinden. Nachdem er schon Ewigkeiten in Krankenhäusern verbracht hat und von den Ärzten keine Hilfe fand, beschloss er, den Jakobsweg bis Santiago de Compostella auf einer Länge von 900km zu laufen.
Heute kam er das erste Mal seither wieder in den Unterricht. Ich hatte einen Menschen vor mir, der aufrecht stand wie ein Baum und dem es offensichtlich ganz prima ging. Hat mich wahnsinnig gefreut zu sehen, wie der Kerl seine Dämonen erfolgreich niedergerungen hat. Sehr erfrischend zu sehen, daß es nicht nur "leidende" Leute gibt, die vor lauter Jammern und Mitleidssuche die Klappe nicht mehr zukriegen, sondern auch welche, die tatsächlich bereit sind, sich für ihr eigenes Wohlbefinden mobil zu machen und auf die Suche zu gehen. Mein Schüler berichtete, daß ihn seine Angstzustände auf den ersten 20km seines Weges in der bisher schlimmsten Form überrumpelt hatten. Die Prüfung bestand für ihn hauptsächlich darin, zu wissen, daß man auch mit Schmerzen, wenig Wasser, irre Hitze mitten in der Pampa nicht zerbricht wie Porzellan. Nachdem er das begriffen hatte, wich die Angst und machte Platz für Neugierde, Abenteuer, die Lust, seine Grenzen zu finden. Wir Menschen sind ein zähes Völkchen, nur vergessen wir das leider oftmals. Labels: Angst, nachdenklich, pilgern |
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