HMleiste10202

Donnerstag, Februar 22, 2007

 

Mal ehrlich...

Fällt Euch auch auf, daß die Industrie über ihre lobbytomisierten Politiker keinerlei Verpflichtung in Sachen Kohlendioxidreduzierung eingeht, sondern alles fein säuberlich auf den Einzelnen abwälzen will?
Man zahlt weniger Steuern, wenn man die zu erwartenden, neuen Autos (Heizungen, Kraftwerke, LKW etc) kauft. Man zahlt mehr, wenn man die sich nicht leisten kann. Von diesen Steuereinnahmen wird dann die Forschung der Industrie zur CO2 - Reduzierung subventioniert.

Catch 22! (mal wieder)

Knut

Comments:
Das ist im Prinzip sehr gut ausgedacht.

Aber: liegt's denn nicht am Einzelnen?
Denn: gebaut wird, was Profit bringt.
Wenn die Leute, also jeder Einzelne, der in Frage kommt, sich Autos mit
niedriger CO2-Emission kaufen, muss die Industrie entsprechend
reagieren.
Solange also schwere Autos mit möglichst viel Kraft unter der Haube
gekauft werden, ganz egal wieviel sie schlucken (soweit ich weiß ist
Spriteinsparung noch das einzig senkrechte gegen CO2), wird sich seitens
der Industrie nicht viel tun.
Die Politik wird sich hüten, weil das ja klar ist und auch immer schon so
war, der Industrie irgendetwas vorzuschreiben.
Zaghafte Versuche aus der Autobranche gab es, den Lupo beispielsweise,
der ein Bisschen zu teuer verkauft wurde und dann doch etwas mehr
verbrauchte als versprochen, wie man hört, ob aufgrund eines
Konstruktionsmangels oder ob es ein Problem der Fahrweise ist, kann ich
nicht sagen.
Spon berichtet uns jedenfalls von ersten Lichtern amKFZ - Horizont:

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,465818,00.html

Vielleicht ist es ja gar kein so schlechter Schachzug unserer Regierung,
Kaufanreize für die richtigen Fahrzeuge zu schaffen, um so indirekt die
Produktionspaletten zu ändern.
Das so etwas nie ohne Gerupfte abgeht und immer ein Bisschen ungerecht
ist muß man wohl hinnehmen. Allenfalls könnte man versuchen die
Gerupften zu minimieren, mit Unterschieden im Baujahr (gab's schonmal,
siehe Sicherheitsgurte...) oder wasweißich.
 
Sehe ich anders. Die Industrie drückt sich seit Jahrzehnten um die Verpflichtung, dem Forschungsstand angemessene Technologie zu vermarkten. Stattdessen verscheuert man mit Glasperlen verzierte Alttechnologien und wälzt die finanziellen Folgen eines übergroßen ökologischen Fußabdrucks auf den Endverbraucher ab. Genau die gleiche Industrie propagiert schwere, ineffiziente Fahrzeuge als Statussymbol und suggeriert gezielt, daß einem der teure Einkauf eines Luxusfahrzeugs von der ökologischen Sorgfaltspflicht befreit. Die Industrie hat sich bemüht, innerhalb aller Standardisierungen Produkte und Leistungen zu schaffen, die sich als Statussymbol gut verkaufen lassen. Einige dieser Produkte und Leistungen sind geeignet, Reichtum durch Unmäßigkeit bei der Vergeudung von Rohstoffen zu demonstrieren. Zur Kasse gebeten werden jedoch diejenigen, die es sich nicht leisten können, Autos in Up-to date- Technik zu erwerben.
Das freut die Industrie, denn das wirkt sich nicht auf den Absatz wirklich teurer Fahrzeuge aus und fördert den Verkauf neuer Mittelklassewagen. Und ökologisch sinnvolle Produkte werden erst angeboten, wenn mit petrochemischen Antrieben kein Revach mehr zu machen ist. Also wenn das Öl alle ist. Und rate mal, wer bei der schliesslichen Einführung umweltverträglicher Antribsformen massig Subventionen in den Anus geblasen bekommt....

Wie würde ein Volksentscheid aussehen, dessen Ergebnis die Autoindustrie zwingen könnte, nur noch Fahrzeuge mit minimalem ökologischen Impact zu bauen?
 
Jepp, seh' ich auch so. Was eine Freiwilligkeit seitens der Industrie wert ist zeigt sich an der nicht eingehaltenen "Selbstverpflichtung" (bzw. deren völlig gegenteiligen Umsetzung) ebenso wie es das traditionell schon bei Ausbildung oder anderen Themen (Umweltschutz bei der Produktion, Müllvermeidung, etc.) ist.

Wenn damals die Politik nicht irgendwann doch völlig aus Versehen ein Katalysator-Gesetz beschlossen hätte würden wir auch heute noch Schwefel- und was weiß ich was für -monixyde schnuppern.

Wenn jetzt der Schadstoffausstoß besteuert werden soll ist das eine Möglichkeit für die, die's sich leisten können, sich Ablassähnlich von Schuld oder Verantwortung freizukaufen "Dafür bezahle ich ja auch mehr Steuern, dass ich mehr CO2 rausblasen darf" - in der selben Logik, wie die "Leistungselite" heute ja schon sagt, dass sie es als "gerecht" empfände, "einen größeren Anteil am Verbrauch von Resourcen haben zu dürfen, weil man ja auch mehr leiste". So'ne Sprüche gabs ja schon.

Nein, das ist wieder schön zu kurz gedacht. Das einzige, was den CO2-Ausstoß verringern würde wäre: generelle Tempolimits und feste Grenzwerte, die eingehalten werden müssen, sonst darf die Karre nicht auf die Straße. Dazu Rußfilter in Diesel per Gesetz, wie bei Kats. Aber das traut sich eine Regierung, die sich "Volksvertretung" nennt, aber de facto reine Lobbyvertretung ist, natürlich nicht. Und so muss sie weiterhin Augenwischerei betreiben.
 
"Wie würde ein Volksentscheid aussehen, dessen Ergebnis die
Autoindustrie zwingen könnte, nur noch Fahrzeuge mit minimalem
ökologischen Impact zu bauen? "

Genau das ist die Frage.

So weit gehen unsere Meinungen gar nicht auseinander.
Wir sind uns wohl einig, daß man die Autoindustrie zwingen muss,
moderne Antriebe mit minimalen Verbrauch- und Emissionswerten zu
entwickeln bzw. zu bauen. (Der Verdacht besteht, daß solche Patente
bereits in irgendwelchen Schubladen vergammeln.) Ob diese Industrie
irgendwie mit diversen Ölmultis/-händlern/-förderern unter einer Decke
stecken ist erstmal Spekulation, bzw. Unterstellung.
Selbst wenn dem so ist, wird sich das schnell wandeln, sobald nichts mehr
verkauft wird, oder jemand maßgebliches merkt, daß sich die Nachfrage
gewandelt hat, hin zu ökologisch sinnvolleren Antrieben.
Denn: wo kein Reibach, da keine Produktion.

Mag sein, daß die, die sich's leisten können drauf pfeifen (Hauptsache der
Nachbar sieht, wer hier den größeren hat), die das nicht können, schauen
sowieso in die Röhre; für die gibt's dann das steuerlich beungünstigte
Gebrauchtfahrzeug.
Hier liegt genau das Dilemma: wenn die Einen nicht wollen und die
Anderen nicht können, kauft keiner. Wenn keiner kauft, baut keiner.

An dieser Stelle kann der Staat zumindest Anreize schaffen, daß wenigstens
die, die sich ein Neufahrzeug leisten können, gleich ein "sauberes" kaufen.
Natürlich könnte die Regierung gleich mal radikal zu werden versuchen.
Tempolimits: feine Sache, wenn ich auch schon das Gemoser höre. Nicht
nur seitens der Industrie, sondern auch von den Überholspurbelegern.
Feste Grenzwerte würden schon wieder einige Studenten etc. zu
Fußgängern machen, genau wie Rußfilter, weil es die nicht für alle KFZ gibt.
(Was nicht heißt, daß sie nicht produziert werden könnten, damit wären
wir wieder am Anfang.)
Katalysatoren sind im Übrigen keine Pflicht, allerdings sind Autos ohne Kat
im Unterhalt hübsch teuer geworden und sie dürfen bei bestimmten Wetterlagen
nicht mehr überall hin.
Folge: seit einiger Zeit gibt es kaum noch Benziner ohne.
Ein Beispiel für eine relativ langsame aber stetige Entwicklung, wie sie wohl
jetzt auch angestrebt wird.
Die Folge von den vorgeschlagenen radikalen Lösungen (die natürlich für
den Planeten das Beste wären, völlig fraglos) wäre ein Aufschrei in der
Bevölkerung, drei Viertel der Fahrzeuge (naja, zwei Drittel oder so) müssten
in die Presse und ein absolut wiederwählwiderwilliges Volk.
Wahrscheinlich.

Obgleich die Vorstellung gar nicht so übel ist, erstmal einen solch
reduzierten Strassenverkehr zu erleben. Vielleicht sähen das Andere ja auch so.

Diese ganze Diskussion wäre übrigens hinfällig, hätte das Tesla - Projekt
bereits Schule gemacht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Tesla_Motors

Ich könnte mir sehr gut vorstellen in einem Auto mit kaum olfaktorischer
oder akustischer Emission zu fahren.
Würde mir gefallen. Echt.
 
Wären am ökologisch sinnvollsten nicht Subventionen an die Leute, die sich ein saubereres Fahrzeug nicht leisten können??
 
Absolut.
Wenn's funktioniert.
 
Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen



<< Home

This page is powered by Blogger. Isn't yours?