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Dienstag, Oktober 17, 2006

 

Nothing Gulch

Das Pfeifen des heißen Wüstenwindes, der um die Winkel verfallener Holzhäuser
streicht, mischt sich mit dem unentwegten Zirpen der Zikaden, das von überall
her zu kommen scheint und nur manchmal für Sekunden abrupt abbricht, als wenn
ein unsichtbarer Dirigent die Insekten führte, der ihnen wenige Takte später ein
Crescendo befiehlt, nur um durch den Kontrast zu der kurzen Stille das ansonsten
kontinuierliche Geräusch einem unsichtbaren Publikum umso eindringlicher ins
Gedächtnis zu brennen.
Ein Windrad wirbelt wild ratternd und quietschend am Ende der Mainstreet - umsonst,
niemand benötigt mehr seine Dienste.
Die überdimensionale Zuckerstange vor dem Barbershop dreht sich längst nicht mehr,
vor Jahren schon hat sie ihren Dienst eingestellt, wie auch der Besitzer des Ladens,
der Friseur und Zahnarzt der Stadt, der nebenher immer ein bisschen mit diesem und
jenem handelte. Dann und wann nur hört man das Klappern irgendeines Fensterladens,
wie von Geisterhand auf und zu geworfen, seiner Glasscheibe längst beraubt.
Niemand findet sich, der den Schaden reparieren könnte oder wenigstens den hohlen
und nutzlosen Rahmen ordentlich schlösse. Aber wozu auch? Keiner stört sich hier
mehr an Lärm oder Zugluft.
Und Keiner pflegt mehr die einfachen Gräber auf dem Stiefelhügel, die Holzkreuze,
teilweise umgestürzt oder sich gerade noch schief in der sandigen Erde haltend,
werden langsam vom stetigen Wind abgeschliffen - kaum noch kann man die Inschriften
entziffern.
Eine gespenstische Stimmung herrscht, Tumbleweed huscht in den staubigen Gassen des
Invasionblogs umher. Man könnte meinen, seine Bewohner seien ausgestorben.

Doch der Schein trügt.

Unermüdlich reisen die Autoren, Schreiberlinge und Literaten durch die Weite, Weite Welt,
lungern auf verlassenen Raumhäfen rum, nehmen, der Not gehorchend, Sachen wie Heiße
Hexe und ähnlich schreckliche Dinge zu sich, schweben zwischen Welten oder hangeln
über Abgründen, stets auf der Suche nach DEM content, der die Erde erzittern und in
ihren Grundfesten erbeben lässt.
Doch, wie sich der geneigte Leser leicht vorstellen kann, ist das nicht so einfach.
Die Bewohner des Planeten sind ja mittlerweile auch schon einiges gewöhnt. DER Inhalt
scheint zudem immer einen Schritt voraus zu sein. Man muß sich äußerst geschickt
anstellen um ihn zu erhaschen, denn er verhält sich unerwartet, immer anders, und
manchmal kann man ihn nur aus dem Augenwinkel für einen blitzartigen Moment
wahrnehmen.
Doch das Reisen, so abenteuerlich und manchmal schön es ist, birgt auch Nachteile.
Wer nur, so frage ich Euch händeringend, wer soll schreiben im Blog, wenn alle weg
sind?

Nur auf kurzen, meist eher zufälligen Abstechern ins heimische Biwak kommt man dazu
der Nachbarin mit einem lieben Strauß für die Mühe mit den Pflanzen zu danken und
der Leserschaft einen Gruß zu entbieten.
Doch halt, ein Mitbringsel habe ich Euch. Dan Deacon heißt der Knabe, und ich könnte
schwören, die alten Devo da raus zu hören.
Woran der nur seine Tastatur angeschlossen hat?

Comments:
Sooo wenig ist hier garnicht los. Immerhin wird hier jeden Tag sauber gemacht.
Viel Hektik im RL, aber das heisst nicht, daß der Blog vergessen wurde. Neue Inhalte der Seite sind in Vorbereitung. Sage nur "A Tea Queen".
 
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