Seit einiger Zeit nun beschäftige ich mich mit dem
Morsealphabet.
Braucht kein Mensch, höre ich den werten Leser ausrufen;
damit hat er immerhin bedingt recht.
Otto Normalverbraucher kommt nur selten in die Lage, den
Morsecode zu benötigen. Schließlich fährt man nicht allzu
oft auf der Poseidon und muß dementsprechend selten
Klopfzeichen aus dem Schraubenwellenhaus senden; im
Normalfall versucht man auch ein Einsitzen in einer der
zahlreichen Justizvollzugsanstalten zu vermeiden und ist
daher auf eine Kommunikation mit Häftlingen aus anderen
Zellen kaum angewiesen. Ich selbst bin erst wieder durch
Propellerheads "On Her Majesty's Secret Service" darauf gekommen, in dem die
Buchstaben OHMSS ansprechend rhythmisch gemorst
werden. Seither morst zwar keiner mit mir, aber es ist für mich auch
eine Art Hirntraining nebenbei, im Stau auf der Autobahn
oder an der Ampel die Nummernschilder im Geiste zu
codieren. Und es vertreibt die Langeweile in solchen
Situationen.
Außerdem lehrt uns der Volksmund schon: "Wer weiß,
wozu's mal gut ist."
Die eigentlichen Vorteile dieses Codes, weswegen er auch
heute noch eingesetzt wird, liegen Beispielsweise in der
besseren Unterscheidung des Rauschens und des Signals
(wenn Sprache bereits unverständlich wird, ist es der
Morsecode noch längst nicht), man kann sich also über
größere Entfernungen verständigen oder benötigt nur
Anlagen geringerer Leistung.
Man kann sich in Sichtweite auch mit Lichtsignalen verständigen,
was unter Umständen größere Abhörsicherheit verpricht.
Klopfzeichen sind nur bedingt brauchbar, da es schwierig
ist, einen Strich zu klopfen; es sei denn man macht vorher
zum Beispiel einen "Doppelklopf" als Strich aus.
Möchte man Morse sprechen, so wird üblicherweise ein
Strich als "dah" ausgesprochen, ein Punkt ist ein "dit".
Natürlich muß zwischen den einzelnen Buchstaben eine
längere Pause eingelegt werden als die, die zwischen den
Symbolen . oder - liegt. Zwischen den Wörtern sollte sie
noch einmal etwa doppelt so lang sein.
Zum erlernen des Morsealphabets habe ich mich einer
(weiteren) Buchstabiertabelle bedient, in der die Silben die
einzelnen Symbole repräsentieren und ein "o" dem Strich
entspricht. Der Anfangsbuchstabe des Wortes, niemand
wäre draufgekommen, ist natürlich der, den das
Morsezeichen darstellt.
Leider kann man hier keine Tabellen erstellen, oder ich bin
schlicht zu blöd dazu, daher werde ich die
Buchstabiertabelle anders darstellen, hoffentlich genauso
verständlich. Wenn's mich anficht mache ich mal eine
amtliche Matrix in der Projectsection.
A=Atom (.-), B=Bohnensuppe (-...), C=Coca Cola (-.-.),
D=Dorfbrunnen (-..), E=Eis (.), F=Fensterbogen (..-.),
G=Großmogul (--.), H=Hausbesitzer (....), I=Insel (..),
J=Jawohl, Odol (.---), K=Klosterhof (-.-), L=Limonade (.-..),
M=Motor (--), N=Norden (-.), O=Oh, Otto (---), P=Per Motorrad
(.--.), Q=Quostdorf bei Forst (--.-), R=Revolver (.-.),
S=Sausewind (...), T=Ton (-), U=Uniform (..-), V=Ventilator
(...-), W=Windmotor (.--), X=Xox ist kein Wort (-..-), Y=Yorker
Kohort (-.--), Z=Zorndorfer Schlacht (--..).
Wenn man jetzt noch das Komma (MIM = --..--) und den
Punkt (AAA = .-.-.-) beherrscht, kann man schon ein
richtiges Gespräch führen.
Die Zahlen und übrigen Sonderzeichen sind auch nicht
schwerer, kommen aber beim nächsten Mal dran, wenn's
jemanden interessiert.
Klar, die Dekodierung fällt erstmal um einiges schwerer,
aber mit entsprechender Übung geht auch das zunehmend
besser.
Viel Spaß beim Strichpunktieren, und
-... . -.-. -- -- .-..P.S.: Gerade merke ich, daß mehrere Leerzeichen hintereinander
hier nicht unterstützt werden. Aber Ihr kommt sicher auch so drauf.