HMleiste10202

Samstag, April 15, 2006

 

Rreichsmenü

Da hatten wir es neulich noch, wie es manchmal so vorkommt, über
diese alten Zeiten, in denen ich aus heutiger Sicht bestimmt nicht
gerne gelebt hätte. (Wer weiß schon, welcher Ideologie man damals
angehört hätte; für die Jugend war's ja oft ein Abenteuer, anfangs
zumindest.)
Die Frage für viele ist: darf man damit Scherze treiben?
Die Antwort (für uns zumindest) ist: man darf.

Wir wissen mittlerweile was damals geschah, all' die grausamen
Details, auch wenn die meisten von uns es sich nicht im Ansatz
vorstellen können wie es ist, bei sowas dabei zu sein.
Ich hatte das (zweifelhafte) Glück bei der Bundeswehr zu sein und
hatte dortselbst zwei oder drei Erlebnisse, die meine
Vorstellungskraft in diese Richtung stärkten; die fleischlose,
skelettartige Struktur des Geschichtsunterrichtes kann Gefühle gar
nicht, gelegentliche Fernsehbeiträge mit oder ohne Zeitzeugen nur
schwer übermitteln.
Wenn sich so mancher Neonazi ein Wenig hineinversetzen könnte,
dorthin, was mit ihm selber in solcher Zeit geschehen könnte: ich
wette, es gäbe nur noch die Hälfte davon.

Jedenfalls stellten wir, Skypenderweise, ein Reichsmenü zusammen,
daß dem Fööhrer bestimmt gemundet hätte.
Beginnend mit den Klassikern (bekannt aus Chaplins "Der große
Diktator"):
Läbärrknödel ond Ssauerkrraut garniert mit Ssächälschnättlauch,
gefolgt von Gaissborgärr Marrsch mätt Einkässälflaisch ond
Ausmärrzzwiebeln,
dann eine Kampfpanzärrschäldkrrötenßoppe mätt Kroppstahlsalat,
diräkkt aus tär Gollaschkanoone,
wahlweise eine Mätzälßoppe mätt Gehacktem an Äntlösong oder
eine Blootßoppe mätt Betterrmandelschrapnell; eine arische
Worzelßoppe oder eine Kriegsmarinestrone wären Alternativen.
Zum Abschluss eine Rattattatuille mit gelegentlichem Rohrwechsel
ond ein Wäährschnitzel als Kanoonenfotter.
Als Dessert würden Reichsmarshall - mellows gereicht, und bei
einem Grranatapfel - Volkssaft, während tä Känder mätt den Barbie -
Poppen spälen, bliebe bestimmt kein Landser lang El Alameinsam.
Der Führer hätte bestimmt nicht "tass göringste auszosätzän",
wenn ihm auch "eine schlächtä klaare Brröhe" gereicht hätte.

Wir hätten ons, Verzeihung, uns Mühe gespart, hätten wir schon
von diesem Translator gewusst, der mich soeben via Jens erreichte.

Gooten Appettätt!

Comments:
Sehr fein.
Zwischen all den pubertären Eingaben (Hatt dänn das deutsche Volk nächts andäräs äm Kopfä als prrrämätäve Schweinerreien?) fand
sich auch einer, der den alten Goethe durchgejagt hat:

Äch bän da Gaist da stets vernaint!
Ond das mät Recht; denn alles was entsteht
Äst werth daß es zo Grrronde geht;
Drrrom bessa wär\'s daß nächts entstönde!
So äst denn alles was ähr Sönde,
Zerstörrrong, korz das Böse nennt,
Main aigentläches Element!

Sehr treffend.
Nur hab ich jetzt das Problem, den Mephistopheles stets mit erhobener Stimme und seltsamem Akzent zu hören.
 
We aine Blome am Wänterbegänn
Ond so we ain Foia äm aisägen Wänd
We aine Poppe, de kaina mehr mag
Föhl äch mäch an manchem Tag

Dann seh äch de Wolken, de öba ons sänd
Ond hörrre de Schrrae da Vögel äm Wänd
Äch sänge aus Angst vor dem Donkel main Lied
Ond hoffe, dass nächts geschieht

Ain bässchen Frrieden, ain bässchen Sonne
För diese Erde, auf da wär wohnen
Ain bässchen Frrieden, ain bässchen Frrroide
Ain bässchen Wärme, das wönsch äch mär
 
se hatte ganz ganz däcke däcke tätten
däcke tätten de doll wäppen
äch stell mär vor äch fahrrre schlätten
auf ährrren rriesen tätten
 
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